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Symposion in Bacharach vom 18. bis 19. März 2006
Zu einem Symposion über die Templer lud der Posthof Bacharach und das Römisch-germanische Zentralmuseum in Mainz ein.In dem stimmungsvollen Ambiente des alten Posthofes – seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter – kamen zahlreiche Templerinteressierte in den Genuß von wissenschaftlich fundierten, teils unterhaltsam vorgetragenen Referaten zum Thema Templer. Dabei wurden alle Facetten des Templerdaseins beleuchtet. Zum guten Gelingen der Vortragsreihe trugen vor allem auch der Leiter des Posthofes Dipl. Biol. Andreas Bitz und sein überaus freundliches Mitarbeiterteam bei. Herzlichen Dank an dieser Stelle noch einmal an Euch alle.
Die erste Vorlesung hielt Prof. Dr. phil. habil. Peter Dinzelbacher, Honorarprofessor für Mentalitätsgeschichte an der Universität Wien. Sein Thema: Die Templer: Der Mythos und seine Wurzeln. Prof. Dinzelbacher erläuterte sehr ausführlich und fundiert die Geschichte der Templer im Mittelalter; bis hin zum Tod von Jaques de Molay am 18. März 1314. Dabei betonte er die einflussreiche Rolle des Zisterziensermönches Bernhard von Clairvaux. (Prof. Dinzelbacher schrieb eine Biographie über Bernhard von Clairvaux, erschienen in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft). Anschließend erörterte Prof. Dinzelbacher die Rolle der Templer in der Gesellschaft, bzw. deren inzwischen mystifizierten Namen, nach dem Untergang des Templerordens. Für alle geschichtlich Interessierten gab er noch den Tipp, die sprachliche Kompetenz der Autoren von Geschichtsbüchern zu prüfen. Seiner Meinung sollten Historiker fähig sein, Quellen alleine übersetzen zu können und sich nicht nur auf Sekundärliteratur zu berufen.
Nach einer kurzen Kaffeepause stellte Jochen Labonde, Großprior des OSMTH, seinen/unseren Orden unter dem Titel „Der OSMTH: ein Neuanfang nach einer bewegten Vergangenheit -Bezüge und Ziele“ vor. Sehr kurzweilig berichtet er über die Ordensgeschichte, die Struktur des Ordens und seine internationalen Kontakte. Dabei hob er vor allem die gute Zusammenarbeit des internationalen OSMTH, dem das Großpriorat Deutschland angeschlossen ist, mit der UNO hervor. Der OSMTH ist NGO mit Konsultativstatus des Economic und Social Council. Ebenso wichtig war es ihm zu betonen, dass der heutige Templerorden seinen Schwerpunkt in karitativen Aufgaben hat und sich die Mitglieder als Diener für benachteiligte Mitmenschen sehen. Herr Labonde betonte, dass sich der OSMTH nicht in Sukzession zum alten, historischen Orden sieht. Damit grenzt er sich bewusst und wahrscheinlich auch mit geschichtlicher Wahrheit, von anderen Templerorganisationen ab. Zum Wesen des OSMTH - und darin unterscheidet er sich wiederum von anderen „Laienritterorden“ - gehört es auch, dass er ökumenisch ausgerichtet ist und somit für Frauen und Männer aller christlichen Religionen offen steht. In der anschließenden Fragerunde blieb er keine Antwort schuldig, auch wenn es manchem Fragesteller nicht möglich war, den Versuch zu verbergen, den Großkanzler mit hochpolitischen Fragen aufs Glatteis zu locken.
Da das Symposion am Rhein stattfand, war es nur konsequent, dass sich Matthias Heiduk, M.A. Freiburg, Archäologe und Historiker, mit dem Thema „Die Templer am Rhein“ auseinander setzte. Anhand einer Karte konnte er zeigen, dass viele Stätten, die bisher als Templerstätten galten, nicht als gesichert als solche betrachtet werden können. In vielen Fällen können keine entsprechenden Quellen, z.B. Urkunden oder Briefe als Beweis vorgebracht werden. Trotzdem zeigte er aber, dass gerade das Gebiet entlang des Rheins, die meisten Templerstätten im heutigen Deutschland aufweist.
Anke Scholz, M.A. Stipendiantin im RGZM, referierte nach dem Mittagessen über den „Schatz der Templer: ein Mythos und sein historischer Kontext“. Sie spann einen Bogen von der Gralslegende, über die Parzifalsage bis hin zu dem Bestseller „Sakrileg (The Da Vinci Code) “ von Dan Brown. Natürlich fehlten auch nicht „Holy Blood, Holy Grail" von Michael Baigent, Richard Leigh und Henry Lincoln und ein kurzer Abriss über die Geschehnisse in Rennes-le-Chateau.
Dr. Björn Gesemann, Bibliotheksleiter des RGZM, fand Spuren von Templern in einigen Brett- und Kartenspielen. Unter dem Thema „Die Templer im zeitgenössischen Spiel: Eine Motivsuche“ stellt er Spielfiguren vor, die in Habit und durch Spielregeln zugesagten Eigenschaften den Templern ähneln. Hier eine Liste der vorgestellten Spiele – ohne Wertung:
:: Siege und Outremere :: Das Geheimnis der Abtei :: Shadowrun :: Behind :: Warhammer :: Confrontation :: Vampire: Die Maskerade :: Gurps :: Die Rückkehr der Helden
Sehr lebhaft und mit viel Freude hat Sabine Hornung, M.A., Archäologin und Künstlerin ihr Thema „Die Darstellung der Tempelritter im Wandel der Zeit: Fakten und Fiktionen im Templerbild“ vorgetragen. „Templer und Frauen“ war das abschließende Thema von Dr. Matthias Dietz-Lenssen. Er ist Dozent und Publizist, selbständiger Autor und Redakteur der Vierteljahresschrift „Mainz“.
Nach einer abschließenden Diskussion führte uns Herr Bitz durch das mittelalterliche Bacharach. An fünf Stationen brachte er den Teilnehmern das damals sehr bedeutende, heute aber sehr kleine Städtchen Bacharach näher. Dazu gehörte auch die Darreichung von Spezialitäten aus der Region an allen Stationen. Während des Abendessens wurde eine Weinprobe mit sieben verschiedenen Weinen angeboten. Jeder Wein wurde vom Winzer selbst, Herrn Ratzenberger, vorgestellt. Dabei schilderte er seine Weine mit Hilfe der verschiedensten Künste und verglich den Genuß des Weines z.B. mit dem Hören von klassischer Musik.
Der Sonntag gehörte den Kirchen. Um 9.30 traf man sich in der St. Peterskirche (ev.) in Bacharach. Dort schilderte Prof. Dr. Dethard von Winterfeld der Universität Mainz, jedes kleinste Detail der wirklich sehr schönen spätromanischen Kirche. Danach stiegen wir den Hügel hinauf zur Wernerkapelle, jetzt eine Ruine, einst in schönstem gotischem Stil erbaut.
Den Abschluss des Symposions bildete ein Besuch der Kirche in „Hof Iben“ bei Bad Kreuznach. Die Kirche gehörte zu einer ehemaligen und nachweisbaren Templerkommende. Zudem ist „Hof Iben“ auch Sitz einer Gruppe von Templerdarstellern, die sich für diesen Tag extra Zeit genommen haben, um den Gästen des Symposions eine Vorstellung in mittelalterlichen Schwertkampf zu bieten. Außerdem stellten sie ihre zum Teil selbst hergestellten Rüstungen, bzw. Ausrüstungen vor. Herzlichen Dank auch dafür.
Für alle Teilnehmer, mit denen ich gesprochen habe, kann ich sagen, dass das Wochenende in Bacharach ein nicht nur sehr lehrreiches, sondern auch ein schönes und entspannendes Wochenende war. Vielen Dank an alle Beteiligten!
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