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Landshuter Templer wieder am Ort ihrer geistigen Wurzeln PDF Print E-mail
Written by Armin Glötzl   
Wednesday, 20 May 2009 13:22

 

Die bereits seit dem frühen 12. Jahrhundert bestehende Verbundenheit zwischen dem Orden der Templer und dem der Zisterzienser wurde auch kürzlich in Landshut wieder bestätigt. Seit diesem Monat finden die monatlichen Treffen der Mitglieder der landshuter Templer-Komturei in der Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal (http://www.seligenthal.de) statt.

 Das Kloster geht zurück auf eine Stiftung der bayerischen Herzogin Ludmilla im Jahr 1232. Anlass für die Gründung war die Ermordung ihres Gemahls, Herzog Ludwigs I. Die Herzogin, die damals 62 Jahre alt war, dachte aber auch an ihren eigenen Tod. Sie wollte mit der Gründung, wie sie in der Stiftungsurkunde schreibt, "etwas von ihrem Erbteil in der Schatzkammer des Herrn hinterlegen..., damit sie nicht mit leeren Händen vor dem Antlitz des allmächtigen Gottes erscheine". Sie bestimmte auch, dass in dem Kloster ein Nonnenkonvent des Zisterzienserordens leben sollte. Dieser Orden stand damals in hohem Ansehen. Als Zisterzienserinnenkloster besteht Seligenthal ("vallis felix") bis heute.

Das Einzugsgebiet der Komturei Landshut wird im Norden durch die Komturei Regensburg, im Osten und Süden durch die Landesgrenzen zu Tschechien und Österreich, im Westen durch die Komturei Stuttgart begrenzt. Seit längerer Zeit suchten die landshuter Templer nach einem geeigneten Objekt, in dem die Komturei ein ‚Zu-Hause’ finden kann. Dabei war es ihnen auch wichtig, eine Art spirituelles Identifikationsobjekt für alle Mitglieder zu haben, welches das Wohnhaus eines Mitgliedes oder eine Gaststätte nicht darstellen kann. Was sich aus einem netten Gespräch bei einem Blutspendetermin zwischen dem Templerkomtur Armin Glötzl und der Hochwürdigen Mutter Äbtissin M. Petra Articus entwickelte, führte zu einer Rückkehr in die alte spirituelle Heimat.

In den Räumlichkeiten der Zisterzienserinnen-Abtei sehen die Templer ihren kirchlichen/’spirituellen’ sowie historischen Anspruch verwirklicht. Noch immer fühlen sie sich den Zisterziensern und Benediktinern sehr verbunden. Zu nennen wäre hier das Zisterzienserkloster Langwaden, wo jährlich anfang Dezember traditionell die Komturei Bad Honnef zur Weihnachtsfeier einlädt, was mittlerweile das gesamte Großpriorat wahrnimmt. Das nationale Konzil wird dieses Jahr in der Benediktiner-Abtei Michaelsberg in Siegburg stattfinden. Sogar der Ritterschlag des landshuter Komturs erfolgte während der großen Friedensmesse anlässlich des 75. Geburtstages Seiner Gnaden Josef Maria Köll, 43. Abt des Zisterzienserstiftes zu Stams/Tirol, in deren Stiftskirche.

Aus der Historie:

Der Zisterzienserorden wurde im Jahre 1098 von Robert von Molesme, Stefan Harding und Alberich von Cîteaux in Burgund in der Einöde von Cîteaux gegründet. Graf Hugue de Champagne schenkte dem noch jungen Zisterzienserorden, nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land, einen Wald, in den später der Heilige Bernhard, der ihm in seiner Frühphase beitrat, geschickt wurde; zur Gründung eines Klosters. Clairvaux –  clara vallis – das "helle Tal" nannte er diese Gründung. Hier entfaltete er seine Theologie, förderte entscheidend die Entwicklung des Ordens und nahm Einfluss auf Kirche und Welt – so sehr, dass man die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts das Bernhardinische Zeitalter nannte. Er selbst gründete über 70 Klöster.

Graf Hugue de Champagne trat später, auf einer Reise in das Heilige Land, selbst dem Templerorden bei, offensichtlich auch auf Anraten Bernhards hin.

Am 13. Januar 1129 fand unter der Leitung des päpstlichen Legaten Kardinalbischof Matthäus von Albano ein Konzil zu Troyes statt. Bei dieser Gelegenheit sollte u.a. über die Anerkennung der Tempelritter als Orden diskutiert werden. Das Konzil von Troyes wurde damit zur formellen Geburt des Ordens. Bernhard unterstützte auf dem Konzil sehr massiv die Anerkennung. Ein Teil der Teilnehmer des Konzils waren Zisterzienser bzw. den Zisterziensern nahestehende Klerikale und Ordensleute. Ergebnis der Beratungen war, dass die Vereinigung als Orden anerkannt würde, wenn sie sich entsprechende Regeln geben würde.

Bernhard erstellte daraufhin, nach verschiedenen Quellen offensichtlich auf eine von Balduin, König von Jerusalem, ausgehende Initiative und im Auftrag des Konzils, gemeinsam mit dem Templergroßmeister Hugue des Payens die Ordensregeln der Tempelritter. Aufgrund des geistigen Einflusses von Bernhard lehnten sich die Templerregeln in vielen Punkten stark an die der Zisterzienser an. Die Regeln hatten den Titel „Die Regel der armen Genossen des Tempels in der heiligen Stadt“. Der Text wurde von Bernhard von Clairvaux auf der Basis der Heiligen Schrift und der Regel der Stiftsherren des Heiligen Grabes nach den Ansichten der Stifter entworfen, also in enger Abstimmung der offensichtlich Beteiligten. Die Regeln, die sich mit der Askese befassen, wurden den Regeln der Benediktiner entlehnt, wodurch auch die ideologische Nähe zu den Zisterziensern, also sozusagen des Reformflügels der Benediktiner, herrührte.

In etwa zur gleichen Zeit verfasste Bernhard ebenfalls eine Schrift „De laude novae militiae“ („Lob der neuen Ritterschaft“), in der er die neuen Ritter Christi (militia christi) als der übrigen Ritterschaft deutlich überlegen darstellte und ideologisch den Kreuzzugsgedanken untermauerte. In der abendländischen Geschichte tauchen an dieser Stelle nun zum ersten Mal offiziell „Mönchsritter“ auf. Bis dahin waren die Stände der Ritter und der Geistlichen immer streng voneinander getrennt gewesen und hatten ausschließlich ihre jeweiligen gesellschaftlichen Funktionen im Feudalsystem wahrgenommen.

Die Entwicklung der Ordensregeln zeigt im Wandel der Zeit eine zügige und deutliche teilweise Abwendung von den klerikalen Aspekten; die ritterlich-militärischen erlangten eindeutig Oberhand. Gleichwohl blieb die enge Verbundenheit zwischen beiden Orden bestehen. So waren die Zisterzienser der erste zentral organisierte Mönchsorden mit Filiationsprinzip. Die Steuerung und Überwachung erfolgte durch sogenannte Visitatoren. Dieses Prinzip findet sich in sehr ähnlicher Form auch bei den Tempelherren und deren Komtureien wieder. Auch das weiße Habit (das Tatzenkreuz kam ja erst später hinzu) verband die beiden Orden in ihrem Erscheinungsbild.

Die herausragende Stellung der Tempelritter/-herren wurde nicht zuletzt offiziell erstmalig dadurch belegt, dass Papst Innozenz II, übrigens auch ein ehemaliger Zisterziensermönch aus Clairvaux und Schüler Bernhards, am 29. März 1139 die Bulle „Omne datum optimum“ erließ, die bestimmte, dass die Templer keiner weltlichen oder kirchlichen Macht außer dem Papst Gehorsam schuldeten. 

Die Gründung des Tempelherrenordens steht in einem sehr engen zeitlichen Zusammenhang mit der expansiven Entwicklung der Zisterzienser. Stephen Harding und Bernhard von Clairvaux beeinflussten den geistigen Überbau des Ordens maßgeblich. Bernhard verwandte sehr viel Zeit darauf, den neuen Orden der Tempelritter geistig und intellektuell zu stützen und zu begleiten. Ob er nun der spiritus rector war oder eher ein Helfer wird wohl letztendlich nicht mehr ohne weiteres zu klären sein.

 

Es stellt sich die Frage, ob die sogenannten „Mönchsritter“, also die Tempelherren, quasi der operative Teil und die Zisterzienser der geistig führende Teil gemeinsamer Interessen waren. Unbestrittene Tatsache ist, dass die Templer ohne die massive Unterstützung Bernhards und der Zisterzienser nie ihre exponierte Stellung erreicht hätten – eventuell aber auch umgekehrt. Diese Verbindung hat seit dem Mittelalter Bestand, was auch jetzt wieder deutlich unterstrichen wurde.

 

(In Teilen aus einem Vortrag von Dirk Hennemann sowie der Homepage der Abtei Seligenthal) 

 

 

Wir danken den Schwestern des Konvents und wünschen ihnen allzeit Gottes Segen!

Last Updated on Wednesday, 20 May 2009 14:12